Begrünungen durch Mieter:innen: Der kleinste Garten ist ein Topf
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Der Klimawandel verändert unsere Umwelt und nimmt dadurch Einfluss auf unser tägliches Leben – auf das Wohnen, die Arbeit und unsere Gesundheit. Auch Begrünungen rund um Ihre Mietwohnung sind möglich und können dabei helfen, besser mit den Folgen umzugehen, Schäden zu verringern und bestehende Chancen zu nutzen.
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Steff Gutovska / AdobeStock
Das Wichtigste in Kürze:
Begrünungen durch Mieter:innen sind auf kleinstem Raum möglich – mit Töpfen, Kübeln, Rankhilfen oder Blumenkästen.
Ein Topfgarten auf dem Balkon, dem Fensterbrett oder im Innenhof lässt sich flexibel gestalten und bei einem Umzug einfach mitnehmen.
Mit Zustimmung der Vermieter:in und relativ einfachen Mitteln können Mieter:innen auch eine Dachbegrünung selbst machen – zum Beispiel auf Carports oder Mülltonnenbox.
Kletterpflanzen bieten Sichtschutz und verschönern kahle Fassaden – ideal für Innenhöfe und Eingangsbereiche.
Auch ohne Balkon können Pflanzen auf dem Fensterbrett wichtige Lebensräume für Insekten und Vögel schaffen.
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Warum sind Begrünungen durch Mieter:innen in der Stadt besonders wichtig?
Klimatische Veränderungen betreffen besonders dicht bebaute Wohngebiete – also genau dort, wo viele Menschen auf engem Raum leben. Laut Umweltbundesamt sind rund 45 % der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland versiegelt. Das bedeutet: Sie sind bebaut, gepflastert oder asphaltiert und lassen kaum Wasser durch.
Diese Bodenversiegelung, in Kombination mit fehlender Begrünung, verstärkt den sogenannten urbanen Hitzeinseleffekt. Das bedeutet:
Gebäude und versiegelte Flächen speichern tagsüber Wärme und heizen sich im Sommer besonders stark auf
Nachts kann die Umgebung nicht ausreichend abkühlen
Es entsteht ein dauerhaft überhitztes Mikroklima
Grünflächen können diesen Effekt deutlich abmildern. Pflanzen verschatten, kühlen durch Verdunstung und verbessern die Luftqualität. Besonders in Städten braucht es daher mehr Begrünung – nicht nur auf großen Freiflächen, sondern überall dort, wo sie möglich ist.
Begrünungen durch Mieter:innen können hier einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten: Sie schaffen nicht nur optische Highlights im Viertel, sondern verbessern auch das persönliche Wohlbefinden – direkt vor der eigenen Haustür.
Jeder grüne Meter zählt – für das Stadtklima, die Artenvielfalt und Ihre Lebensqualität!
Wie gelingt die Begrünung auf Ihrem Balkon?
Sie brauchen keinen Garten, um grün zu wohnen: „Der kleinste Garten ist ein Blumentopf“ – das gilt wortwörtlich. Denn fast alle Pflanzen gedeihen auch in Pflanzgefäßen auf dem Balkon.
Was macht den Balkon so vielseitig?
Er bietet Raum für Blühpflanzen, Kräuter, Gemüse und Kletterpflanzen.
Die Bepflanzung mit Töpfen ist flexibel: beim Umzug einfach mitnehmen.
Auch kleine Balkone lassen sich mit Pflanzsystemen oder mehrstöckigen Gefäßen in der Höhe gut nutzen.
Foto: Westend61, Irina Heß / Adobe Stock
Was sollten Sie vor dem Bepflanzen beachten?
Lichtsituation prüfen: sonnig, halbschattig oder schattig
Geeignete Pflanzgefäße wählen:
Passende Größe für die Pflanzen
Mit Ablaufloch zum Schutz vor Staunässe
Untersetzer oder Übertöpfe zur Wasserreserve – diese sind besonders im Sommer hilfreich
Tipp: Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich viele Ideen im Eigenbau umsetzen. Eine Alternative zu den üblichen Töpfen bietet ein Aufbau mit mehreren Pflanzgefäßen übereinander, in die beispielsweise Gemüsepflanzen gesetzt werden können. Bei entsprechender Anordnung kann daraus eine individuelle Wandgestaltung oder auch ein Sichtschutz entstehen. Dabei muss immer beachtet werden, dass die Mieteinheit beim Auszug ohne Schäden hinterlassen wird beziehungsweise vorab eine Abstimmung mit den Vermieter:innen stattgefunden hat.
Welche Pflanzen eignen sich für den Balkongarten?
Für eine individuelle Gestaltung stehen Ihnen viele Möglichkeiten offen:
Einjährige Blütenpflanzen
Mehrjährige Stauden, Ziergehölze und Gräser
Kräuter-, Obst- und Gemüsepflanzen zur Selbstversorgung
Viele pflegeleichte Pflanzen aus dem (Vor-)Garten sind auch für den Pflanzkübel geeignet
Wie gelingt die Begrünung mit Pflanzen auf dem Fensterbrett?
Sie haben keinen Balkon? Kein Problem. Verwandeln Sie Ihr Fensterbrett in eine blühende Mini-Oase – gut fürs Klima, schön für Sie und wertvoll für die Artenvielfalt.
Foto: Derek St. Romaine / Flora Press
Was lässt sich auf dem Fensterbrett realisieren?
Blühende Pflanzen oder Blumenzwiebeln, die sich je nach Jahreszeit abwechseln
Höhere Gräser und Stauden für leichten Sichtschutz
Kräuter oder essbare Pflanzen wie Salat für den eigenen Bedarf
Ein gut bepflanzter Blumenkasten bietet Raum für Insekten, lockt Vögel an und kann für sie kleine Trittsteinbiotope schaffen, die zur Vernetzung von Lebensräumen beitragen.
Worauf sollten Sie bei der Bepflanzung achten?
Stabile Befestigung der Blumenkästen – besonders bei höheren Pflanzen.
Tiefer Schwerpunkt im Kasten, um ein Umkippen zu vermeiden - Pflanzen wachsen, späteres Gewicht bedenken.
Nur gesicherte Blumentöpfe auf das Fensterbrett und andere windanfällige Bereiche stellen.
Verwenden Sie am besten stabile Pflanzgefäße mit der Möglichkeit überschüssiges Wasser aufzufangen: Gerade in heißen Sommern überlebenswichtig für Ihre Pflanzen.
Wie kann ich meine Pflanzen nachhaltig und umweltfreundlich versorgen?
Eine durchdachte Pflege Ihrer Balkon- oder Topfpflanzen ist nicht nur gut für das Wachstum, sondern auch für die Umwelt und das Klima. Mit einfachen Maßnahmen können Sie nachhaltig handeln.
Regenwasser eignet sich ideal zur Bewässerung – es ist kalkarm und schont Ressourcen.
Viele Pflanzen bevorzugen Regenwasser gegenüber Leitungswasser.
Nutzen Sie Regentonnen oder einfache Sammelsysteme – besonders bei häufiger Bewässerung lohnt sich das.
Chemikalien vermeiden – Grundwasser schützen
Verwenden Sie möglichst keine Pflanzenschutz- und Reinigungsmittel.
Gelangt belastetes Wasser über Regenfallrohre in den Boden, kann es das Grundwasser verunreinigen.
Achten Sie auf ökologische Alternativen oder verzichten Sie ganz auf aggressive Mittel
Torffreie Erde verwenden
Greifen Sie zu torffreier Pflanzerde – auch der Umwelt zuliebe.
Der Torfabbau zerstört empfindliche Ökosysteme und setzt große Mengen CO₂ frei.
Eine Renaturierung abgetorfter Moorflächen ist langwierig und schwierig.
Auch Produkte mit der Aufschrift „Bio“ enthalten nicht automatisch torffreie Erde – prüfen Sie die Zusammensetzung.
Upcycling für Obst, Gemüse & Co.: Worauf muss ich achten?
Alte Gefäße zu neuem Leben zu erwecken, ist eine kreative und nachhaltige Möglichkeit, Pflanzen ressourcenschonend anzubauen. Vor allem für Zierpflanzen ist fast alles erlaubt – alte Kannen, Körbe oder Schüsseln können oft problemlos zu dekorativen Pflanzgefäßen werden. Doch bei der Verwendung für Kräuter, Obst oder Gemüse ist Vorsicht geboten.
Nicht jedes Material eignet sich für den Anbau von Lebensmitteln. Manche Gefäße können Schadstoffe enthalten, die in die Pflanzen übergehen und später beim Verzehr in den Körper gelangen. Daher ist es wichtig, sich vor der Bepflanzung mit Essbarem gut über das Material zu informieren. Dabei hilft eine einfache Überlegung: Wofür wurde das Gefäß ursprünglich hergestellt? Welchem Zweck sollte es einmal dienen – und ist dieser Zweck mit der Nutzung für essbare Pflanzen vereinbar? Wenn hier Zweifel bestehen, sollte lieber auf alternative Gefäße zurückgegriffen werden.
Wenn Sie alte Gefäße für den Anbau von essbaren Pflanzen nutzen möchten, gilt: Nicht nur das Material selbst ist entscheidend, sondern auch dessen Vorgeschichte.
Achten Sie besonders auf folgende Punkte:
Material prüfen: Sicherheitshalber nur lebensmitteltaugliche oder als unbedenklich eingestufte Materialien verwenden.
Vorherige Nutzung berücksichtigen: War das Gefäß zuvor mit Chemikalien, Farben, Ölen oder anderen potenziell schädlichen Substanzen in Kontakt? Dann besser nicht für den Anbau von Lebensmitteln nutzen.
Gründlich reinigen: Auch bei unbedenklichen Materialien ist eine gründliche Reinigung vor dem Bepflanzen unerlässlich.
Weitere wichtige Aspekte, die Sie beachten sollten:
Abflussloch im Boden: Verhindern Sie Staunässe, indem Sie sicherstellen, dass überschüssiges Wasser abfließen kann.
Ausreichende Größe des Gefäßes: Achten Sie darauf, dass das Gefäß ausreichend Platz für das Wachstum der Pflanze bietet – sowohl in der Breite als auch in der Höhe.
Fazit: Upcycling für den Pflanzenanbau ist eine tolle Idee – aber gerade beim Anbau von Lebensmitteln gilt: besser genau hinschauen und im Zweifel lieber ein sicheres Gefäß wählen.
Wie können Sie Flächen rund um die Mieteinheit begrünen?
Nicht nur Balkon oder Fensterbank bieten Möglichkeiten: Auch rund um Ihre Mietwohnung können Sie mit grünen Ideen aktiv werden – Voraussetzung ist die Abstimmung und Genehmigung durch die Vermieter:in.
Welche Dachflächen können begrünt werden?
Auch kleine Dächer – zum Beispiel auf:
Mülltonnenbox
Gartenhäuschen
Fahrradunterständen
können Sie begrünen. Wichtig ist, dass die Statik stimmt. Oft lässt sich das Projekt einfach selbst umsetzen – entweder allein oder gemeinsam mit der Nachbarschaft.
Nach Rücksprache mit der Vermietung können folgende Maßnahmen umgesetzt werden:
Große Pflanzkübel mit Stauden oder Ziergehölzen aufstellen.
Rankende Kletterpflanzen an geeigneten Kletterhilfen einsetzen.
Ein grünes Tor schaffen, bei dem Pflanzen von beiden Seiten zur Tür wachsen.
Foto: Julia Korte / Flora Press
Wie lässt sich ein Vorgarten naturnah gestalten?
Viele Miethäuser haben Schotterflächen, die ungenutzt sind. Schlagen Sie der Hausverwaltung vor, diese Flächen zu begrünen und zu pflegen.
Vorteile:
Sie gestalten ein klimafreundliches und artenreiches Umfeld.
Die Flächen werden optisch aufgewertet.
Manchmal sind Vermietende bereit, eine Reduzierung der Miete in Aussicht zu stellen.
Zahlreiche Beispiele und Tipps finden Sie auf unserer Seite zur Vorgartengestaltung.
Welche weiteren Möglichkeiten zur Begrünung gibt es noch?
Wenn Sie mit einem offenen Blick durch Ihre Nachbarschaft gehen, werden Sie sicher einige ungenutzte Begrünungsmöglichkeiten entdecken. Wir zeigen Ihnen einige Beispiele, wie Sie auch außerhalb Ihrer eigenen vier Wände aktiv werden können.
Was ist eine Baumscheibe – und darf ich sie bepflanzen?
Eine Baumscheibe ist der Bereich rund um einen Straßenbaum. Diese Flächen sind oft verdichtet oder ungenutzt – dabei können sie ökologisch wertvoll sein. Nach Absprache mit dem örtlichen Grünflächenamt dürfen Sie diese Flächen meistens bepflanzen.
Geeignet sind zum Beispiel flach wurzelnde Stauden (vor allem in Nachbarschaft zu großen Bäumen), Blumenzwiebeln oder Wildblumen, wobei die Anpassung an die jeweiligen Bedingungen entscheidend ist. Oft hilft es, zu Beginn den Boden mit Kompost zu verbessern, damit die Pflanzen optimal wachsen und gedeihen können.
Wichtig: Pflege und bedarfsgerechtes Gießen sind Voraussetzung, damit Mensch und Natur lange Freude daran haben.
Wie kann ich Verkehrsinseln begrünen?
Einige Städte und Gemeinden vergeben Pflegepatenschaften für Verkehrsinseln oder kleine Grünflächen im öffentlichen Raum.
So können Sie:
Das Straßenbild aufwerten
Pflanzenvielfalt fördern
Gemeinschaftliche Projekte mit der Nachbarschaft starten
Wichtig: Die Flächen müssen gepflegt und sicher gestaltet werden.
Was bedeutet Urban Gardening?
Urban Gardening ist gemeinschaftliches Gärtnern im öffentlichen Raum.
Ziel ist:
Eigenes Gemüse anzubauen
Stadtviertel grüner zu machen
Nachbarschaften zu stärken
Kommunen, Kirchen oder soziale Träger stellen oft geeignete Flächen zur Verfügung – teilweise kostenfrei für gemeinnützige Projekte.
Ja, in vielen Städten und Gemeinden werden Parzellen auf vorbereiteten Flächen vermietet. Ideal für alle ohne Balkon oder Garten.
Vorteile:
Fläche ist zum Teil bereits eingesät oder mit Jungpflanzen vorbereitet
Gartengeräte & Wasser oft inklusive
Bei guter Pflege hohe Erträge
Auch zur gemeinschaftlichen Nutzung geeignet
Professionelle Hilfestellung bei Fragen
Welche Möglichkeiten bietet ein Kleingarten?
In NRW gibt es rund 1.600 Kleingartenanlagen – perfekt für alle, die langfristig gärtnern möchten. Gerade während der Pandemie stieg die Nachfrage stark an.
Vorteile:
Eigene Gestaltung unter Berücksichtigung der Vereinsvorgaben möglich (z.B. Gemüseanbau, Erholung)
Rückzugsort für heiße Sommertage
Soziale Treffpunkte für Familien, Nachbarschaften und Freundeskreise
Zusammenfassungen zur Weiterleitung an Vermieter:innen
Wir haben die folgenden Artikel erstellt, um Mieter:innen dabei zu unterstützen, mit ihren Vermieterinnen und Vermietern in den Dialog über Begrünungsmaßnahmen zu treten. Sie bieten einen kompakten Überblick über zentrale Vorteile und Rahmenbedingungen – als fundierte Grundlage für gemeinsame Entscheidungen.
Jetzt sind Sie dran: Starten Sie Ihre Begrünungen rund um Ihre Mietwohnung!
Ob Blumentopf auf dem Fensterbrett, Topfgarten auf dem Balkon oder eine Dachbegrünung selbst machen – Ihnen stehen viele Möglichkeiten offen, aktiv zum Klimaschutz beizutragen.
Jede bepflanzte Fläche zählt und macht Ihr Wohnumfeld nicht nur schöner, sondern auch klimaangepasster!
Interessante externe Links zum Thema:
Für Fragen rund um die Abstimmung mit Vermieter:innen: